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Dienstag, 23.07.2019

Journalistin unter Terrorverdacht

Unmittelbar vor Beginn einer BRD-Lesereise über Folter in Griechenland ist die junge Welt-Autorin Heike Schrader kurzzeitig verhaftet worden. Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe wirft der in Athen lebenden Journalistin vor, Mitglied in einer terroristischen Vereinigung zu sein, konkret der verbotenen türkischen Organisation DHKP-C. Schrader wurde am Montag abend auf dem Flughafen Köln-Bonn bei der Einreise in die BRD verhaftet und am Dienstag nachmittag dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt. Der setzte den Haftbefehl außer Kraft und entließ die linke Publizistin gegen eine geringe Kautionszahlung in die Freiheit.

Auf Nachfrage erklärte die Generalbundesanwaltschaft, Heike Schrader sei seit 2001 mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Warum die jW-Autorin ausgerechnet jetzt verhaftet wurde, da sie das Buch »Guantánamo auf Griechisch. Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat« vorstellt, konnte die Sprecherin in Karlsruhe nicht sagen. Tatsächlich war die legal in Athen lebende Deutsche Heike Schrader in den vergangenen Jahren wiederholt in der BRD zu Besuch und Referentin auf öffentlichen Veranstaltungen. Sie ist in Athen beim zuständigen Ministerium offi­ziell als jW-Korrespondentin akkreditiert. Auf diesen Hinweis reagierte die Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft überrascht mit der Bemerkung: »Uuups«.

Der in Bonn ansässige Pahl-Rugenstein Verlag wertete das Vorgehen gegen Heike Schrader als gezielten Einschüchterungsversuch. Das von ihr übersetzte und kommentierte Buch über Folter im EU-Mitgliedsland Griechenland werde in den kommenden Tagen allerdings wie geplant in Berlin, Hamburg und Nürnberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Verfaßt hat es Savvas Xiros in Isola­tionshaft. Der Aktivist der linken griechischen Stadtguerillagruppe »Epanastatiki Organossi 17. Novembri« (Revolutionäre Organisation 17. November, kurz »17N« genannt) beschreibt darin, wie er nach seiner Verhaftung verletzt auf der Intensivstation liegend von den Sicherheitsbehörden gefoltert und zu Aussagen genötigt wurde (siehe jW vom 3. und 10. Dezember).
jW 12.12.07 Von Rüdiger Göbel


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